Der fruchtbare Boden ist vorbereitet. Nun werden im Binsdorfer Klostergarten historische Obstsorten gepflanzt und an der Klosterfassade erste Hochspaliere gezogen. Der Klostergarten knüpft an die Tradition der Nutzgärten an. Ganz im Sinne Johann Wolfgang von Goethes (1749–1832) wird hier der Gedanke des Nutzens als Quelle von Freude erfahrbar: “Ich muß gestehen, daß ich in der Baumschule unter den fruchtbaren Bäumen lieber bin. Der Gedanke des Nutzens führt mich aus mir selbst heraus und gibt mir eine Fröhlichkeit, die ich sonst nicht empfinde.“
Formobstspezialist Reiner Wahl bei den Gehölzpflanzungen im Binsdorfer Klostergarten.
Zukunftsvision des Klostergarten Binsdorf mit Darstellung des sogenannten “Häußels Garten”.
Die Klosterchronik gibt Auskunft zum “Häußels Garten”. In diesem Gartenabschnitt sollen in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts mehrere hundert Bäume veredelt worden sein: “1730 d[en] 7ten April ist daß Haag [Zaun] sambt dem Thor in dem Häußels Garten gemacht worden. Zue welcher Zeut in dißen Garten seindt über 300 junge Bajm du[rch Tit[ulus] Herrn Pat[er] Rochus, Carmelit[er] in Rottenburg, gesezt, geempstet oder gezwäyet worden.” (empten, zweien = pfropfen, veredeln)
Transkription der Klosterchronik Andreas Zekorn: Das Dominikanerinnenkloster Binsdorf und seine Chronik der Jahre 1685 bis 1776, Sonderdruck aus Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte, Band 47/48 (2011/12).
Illustrationen: Therese Schreiber
Beitrag: Isabel David, 12/2025